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Geschichte der Kerze

„Alle Finsternis der Welt reicht nicht aus, um das Licht einer einzigen Kerze auszulöschen!“

Wie könnte man die ursprüngliche und eigentliche Funktion der Kerze, die Erzeugung von Licht schöner umschreiben?

Trotz der Einführung des elektrischen Lichtes hat die Kerze sich nach etwa zeittausendjährigem Gebrauch nicht aus dem täglichen Leben zurückgezogen – im Gegenteil – sie ist heute mehr den je ein Symbol der Wärme und des Wohlbefindens und findet so vor allem Verwendung im Wohnbereich.

Aber nun zur Geschichte der Kerze:

In Deutschland, Frankreich und England waren auf dem Lande, in den ärmeren Häusern Herdfeuer und Kienspan lange die üblichen Beleuchtungsmittel. Im Hause der Bürgers brannten Brennnäpfe, Talglichter und später auch übelriechende Rüböllampen. Die Produktion der Fackeln und Kerzenvorläufer, meist unter Verwendung von Talg (hergestellt aus Küchenabfällen), Öl und Pech, gehörte zur Landwirtschaft.

Es wird angenommen, dass im südlichen Europa der Vorfahre der mit Wachs getränkte und dünn überzogne Faserdocht und im nördlichen Europa die gefettete Binse eine Vorstufe der Kerze ist. Bis zum 15. Jahrhundert waren Wachskerzen eine Seltenheit für den täglichen Gebrauch. Dann verwendeten begüterte Haushalte wegen der Nachteile der Talgkerzen und Öllampen Bienenwachskerzen.

Selbst dem alten Geheimrat Goethe stanken die diese Talgkerzen in die Nase und auch deren dauernd notwendiges „Schneuzen“ (so wurde es genannt, wenn der Docht gekürzt und der Brennteller gereinigt wurde, um Tropfen und Rußen der Kerze zu verringern) war ihm lästig, so dass er einst launig sagte: „Weiß nicht, was die Besseres erfinden könnten, als wenn die Kerzen ohne Putzen brennten!“.

Seit dem frühen Mittelalter waren aber Klöster die Hauptverbraucher von Wachskerzen. Erst nach Entwicklung der christlichen Religion zur Staatsreligion und der Ausgestaltung des Kultes kam das Gewerbe der Kerzenhersteller zur Blüte. So gab es in Paris im 13. Jahrhundert zwei Gilden: die Talgkerzenhersteller, die von Haus zu Haus zogen, um Talgkerzen anzufertigen, und die Wachskerzenhersteller. Der Kerzenbedarf war überall so groß, so dass jedes Gewerbe, das mit Wachs in Berührung kam oder arbeitete, versuchte, mit der Kerzenherstellung ins Geschäft zu kommen.

So ging die Entwicklung dahin, dass die Wachskerzenproduktion zunächst auch eine Nebenbeschäftigung der Lebzelter wurde. Da Zucker erst um 1800 ein allgemeines Konsumgut wurde, erfolgte das Süßen der Backwaren mit Honig. Um den Honig zu gewinnen, wurden von den Lebzeltern ganze Waben gepresst und dann das Bienenwachs zu Kerzen weiterverarbeitet.

Offenbar nahmen es mache Wachskerzler und Lebzelter mit der Qualität ihrer Waren nicht sehr genau. Der Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara (1644–1709) prangerte einmal ihre „Schelmenstücke“ in aller Deutlichkeit an, in dem er ausrief: „Sonst seynd die Wachskerzler gar ehrliche und redliche Leut, außer denselben, welche allerley Hartz, Pech und Terpentin unter das Wachs mischen, daß solche Kerzen sich eines kurtzen Lebens erfreut, ja dergestalt abnimmt, dass ein Träne die andere schlägt; vielleicht beweint sie das Schelmenstück des Meisters, der fast wert ist, daß ihm der Henker den Docht um den Hals bindet ...“

In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Wunsch vieler nach einer Alternative zu den unangenehmen Talgkerzen erfüllt. Aus dem Talg konnte man einen edlen Bestandteil gewinnen – das Stearin. Ab 1880 dann verdrängte das aus Ölschiefer und Erdöl gewonnene Paraffin das Stearin.

Gasser Kerzen - Qualität aus Wachs